Verstoß gegen das Tierschutzgesetz? Ortstermin

Ortstermin XXXXXXXXX am 01. 12. 2018, 9:30.
DSH Hündin Alisha

Überprüfendes Gremium:

Wilhelm Nordsieck

Hans - Dieter Wemhöner

Günter Weidehoff

Tierschutzgesetz:

Als eines der wenigen Länder in der Welt hat Deutschland den Tierschutz in seiner Verfassung verankert. Seit 2002 ist er Teil des Grundgesetzes. Im ersten der 22 Paragraphen ist in zwei Sätzen zusammengefasst, welche Zielsetzung das Gesetz hat und wo dessen Grenzen liegen. Der erste Satz lautet:
Zweck dieses Gesetzes ist es, aus der Verantwortung des Menschen für das Tier als Mitgeschöpf dessen Leben und Wohlbefinden zu schützen. In Anlehnung an diesem Grundsatz sollten eigentlich alle Menschen Tierschützer sein.
Dennoch ist es möglich, dass die Lebensqualität einzelner Tiere in Deutschland nicht gewährleistet ist, schlimmstenfalls mit Füßen getreten wird. Somit ist es lobenswert, dass es Tierschützer gibt, die Handlungsbedarf feststellen und das auch öffentlich anprangern.
Die Wissenschaft ist sich darin einig, dass die allermeisten Wirbeltiere leidensfähige Wesen sind und Schmerz empfinden können. Daraus ergibt sich der ethische Ansatz, dass der Mensch eine Verantwortung für all diese Tiere hat.

Als Tierschutz werden alle Aktivitäten des Menschen bezeichnet, die darauf abzielen, Tieren ein artgerechtes Leben ohne Zufügung von Leiden, Schmerzen, Schäden und unnötigen Beeinträchtigungen zu ermöglichen. Der Tierschutz zielt auf das einzelne Tier und seine Unversehrtheit.

Zu dieser gesetzlich verankerten Grundeinstellung bekennt sich auch der Verein für Deutsche Schäferhunde.
Die Landesgruppe Ostwestfalen Lippe im Verein für Deutsche Schäferhunde nimmt diese Vorgaben ebenfalls sehr ernst und wird Zuwiderhandlung unmissverständlich sanktionieren. Grundsätzlich werden Vorwürfe in Bezug auf das Nichteinhalten tierschutzrelevanter Vorgaben unserer Mitglieder von uns überprüft und ggf. geahndet.

An erster Stelle steht bei uns das Wohlergehen des Hundes.
In der Praxis sah das in der vorbezeichneten Angelegenheit wie folgt aus:
Ich bin in meiner Eigenschaft als Landesgruppenzuchtwart mit zwei weiteren neutralen Personen (OG Amtsträgern) aus unserer Landesgruppe unangemeldet bei der beklagten Person vorstellig geworden. Wir haben die örtliche Situation in Augenschein genommen, haben Fotos gemacht und haben uns die besagte Hündin vorführen lassen. Des weiteren haben wir uns die zweite vor Ort lebende Hündin angesehen, Gespräche mit verschiedenen Personen geführt und weiter recherchiert.
Die von uns gewonnenen Erkenntnisse geben in keiner Weise auch nur annähernd das wieder, was von der Klägerseite an Vorwürfen aufgeführt wurde.
Die besagte, knapp zehnjährige, Hündin Alisha machte auf uns einen lebensfrohen, gesunden, ausgeglichenen und selbstbewussten Eindruck. Sie hat weder Rückenprobleme noch HD. Spielt jeden Tag mit ihrer einjährigen Hundegefährtin mehrere Stunden intensiv im Garten. Sie war keinesfalls verstört und in einem sehr guten Futter – und Pflegezustand.
Man konnte den Eindruck gewinnen, dass es sich hier um einen Hund handelt, der mit sich im Reinen ist. Der in Würde alt werden darf und trotz (oder gerade wegen) seines hohen Alters eine entsprechende Wertschätzung erfährt.
Das ein Hund in dieser Alterskategorie schon mit ersten Wehwehchen zu tun haben kann, ist für Hundekenner sicherlich nichts Neues. Auffallend war, dass die Hündin speziell zu der Beklagten ein inniges, gleichberechtigtes Verhältnis zu haben schien ( keine Unterwürfigkeit ).

Die Beklagte ist Erzieherin in einer evangel. Tageseinrichtung mit 35 jähriger Berufserfahrung. Sie ist 20 Jahre lang Mitglied im Verein für Deutsche Schäferhunde und bis zu dem Tag, als die Vorwürfe der örtlichen Presse zugeleitet und veröffentlicht wurden, niemals in irgendeiner Weise in Sachen Tierquälerei angezeigt bzw. aktenkundig geworden.

Vereinskollegen von ihr bezeichneten die Beklagte als äußerst tierfreundlich, die nie die Gesundheit ihrer Hunde aufs Spiel setzen würde. Die Mutter von Alisha wurde in dieser Konstellation 13 Jahre alt.

Interessant zu wissen ist, dass die besagte Hündin seit 5 Jahren als Therapiehund regelmäßig in einer Kindertagesstätte Kindern vorgeführt wird, um ihnen die Angst vor großen Hunden zu nehmen. Mit einem kranken, verstörten Hund ist eine solche Aufgabe nicht durchführbar.

Die von der Klägerseite gelieferten Fotos und Videoaufnahmen lassen den Eindruck zu, dass es sich hier um eine verängstigte, geschädigte Hündin handelt. Fast jeder Hund wird, wenn er des Nachts überraschend mit einer Taschenlampe bzw. einem Blitzlicht konfrontiert wird, einen verängstigten Gesichtsausdruck zeigen.

Es erübrigt sich fast zu erwähnen, dass die zweite Hündin ebenfalls einen sehr ausgeglichenen, freudigen und gepflegten Eindruck auf die Betrachtergruppe gemacht hat.
Die örtliche Situation der Hundehaltung (Platzverhältnisse, Unterbringung, Hygiene, Freilauf auf Wiese usw.) entspricht nicht dem, was medial verbreitet wurde und kann getrost als sehr angemessen bezeichnet werden.
Wohlwissend, dass es dem Hund eigentlich egal ist, in welchen Verhältnissen er lebt, wenn er die entsprechende Herzenswärme und Zuwendung erfährt, ist es ein i. d. R. glücklicher Hund.

Ein Gespräch mit dem Vermieter des Klägers und der Beklagten hat uns dann weitere Informationen verschafft. Er bestätigte uns u. a. den, am Tage der Überprüfung, gewonnenen Eindruck bzgl. der Hundehaltung. Es sei erwähnt, dass der Vermieter eine Räumungsklage gegen den Kläger auf den Weg gebracht hat. Nicht zuletzt deshalb, weil er als Auslöser für ein vergiftetes Klima innerhalb des Hauses, mit mehreren Wohneinheiten, verantwortlich gemacht wird.

Fazit:

Die Mutter aller Enthüllungen ist nun mal die seriöse Recherche. Hier scheint es auf der Klägerseite Defizite zu geben. Der Leumund des Klägers sollte ernsthaft überprüft werden, bevor man eine Lawine dieser Art lostritt und nur verbrannte Erde hinterlässt, mit den entsprechenden Folgen für die Beklagte.
Wenn persönliche Animositäten unter Nachbarn dazu führen, dass eine Person öffentlich verunglimpft und verfolgt wird, hat die Gesellschaft die Pflicht diese Dinge zu relativieren.

Wer übernimmt hier die Verantwortung, wer trägt die Folgen des Spießrutenlaufes ( Rufmords ), den die Beklagte immer noch über sich ergehen lassen muss ?
Inkompetenz ist auch Willkür, weil fehlendes oder schlecht recherchiertes Wissen eine objektive Abwägung zur gerechten Beurteilung unmöglich macht.
Wir als Landesgruppe Ostwestfalen Lippe haben auch eine Fürsorgepflicht – nicht nur den Hunden – sondern auch unseren Mitgliedern gegenüber. Eine solche Hexenjagd, mit der sich daraus ergebenden Dynamik, endet erfahrungsgemäß immer in einer Katastrophe.
Das Kreisveterinäramt Gütersloh ist nicht dafür bekannt Dinge unter den Teppich zu kehren. Verfehlungen und Versäumnisse wurden von dieser Behörde in der Vergangenheit konsequent geahndet. Aber auch eine Behörde kann nur tätig werden, wenn offensichtlich gegen geltendes Tierschutzrecht verstoßen wird. Das schien hier nie der Fall zu sein. Außer Nachbesserungen wurden von der Behörde bei der Beklagten nichts eingefordert.

Angesichts des überprüften Sachverhaltes, halte ich eine Richtigstellung und öffentliche Entschuldigung bei der betroffenen Person seitens der Klägerseite für mehr als notwendig.

Wilhelm Nordsieck

Zuchtrichter, Körmeister, Wesensbeurteiler im Verein für Deutsche Schäferhunde